Meister und Schüler von sich selbst

Sai Baba

Sai Baba

Sai Baba, der indische Meister, hat am Ostermorgen 2011 den Körper verlassen. Einen Monat zuvor war ein weiterer großer indischer Meister gestorben: Swami Premananda. In den letzten Monaten haben uns vom Orient bis zum Abendland etliche spirituelle Lehrer verlassen. Aufgrund dieser Ereignisse kommt es zu einer tiefgehenden Überlegung. Warum diese sich zeitlich häufenden Ereignisse? Warum jetzt? 

Dies suggeriert, dass eine Generation von spirituellen Meistern geht, und jene die ihnen folgen werden, werden eine erneuerte Botschaft bringen. Verschiedene neue Persönlichkeiten tauchen in der spirituellen Welt auf. Zu den bekanntesten zählt Palden Dorje, ein junger Mann, der seit Jahren den ganzen Tag über in einem Hotel in Nepal meditiert und oft „kleiner Buddha“ genannt wird. Schon in jungen Jahren liebte er es, stundenlang unter einem Baum zu meditieren. Wir finden auch einen weiteren zukünftigen Meister, der als die Reinkarnation von Babaji angesehen wird und vom bedeutendsten Schüler Babajis, Muniraj, im Oktober 2010 anerkannt wurde. Sai Baba selbst hatte gesagt, er werde sich nach neun Mondjahren wieder inkarnieren.

Palden Dorje

Palden Dorje

Die Wiedergeburt Sai Babas, ebenso wie die der anderen Lehrer die kommen werden, hat die Aufgabe, die Menschheit in Richtung der Veränderung zu begleiten, die in Vorbereitung ist. Die Menschheit entwickelt sich in diesen letzten Jahrzehnten immer schneller, und dies gilt auch für die Lehren, die sie braucht. Das Zunehmen von Individualismus und Materialismus in unserer Gesellschaft schafft neue Herausforderungen: den Übergang vom Egoismus zur Liebe zu sich selbst, von der Einsamkeit zu einer Introspektion und zur Suche nach sich selbst.

Die Frage, die sich spontan stellt ist, warum konnten Meister wie Sai Baba und Premananda uns nicht noch durch diese Umwandlung begleiten? Im Leben von Sai Baba können wir außer seiner Größe ein Wesen erkennen, das gefangen war von sich selbst als Meister und von den vielen Fragen, die ihm gestellt wurden. Er war ein Mensch, der nicht nur seine eigene Krankheit trug, sondern auch die Last all jenen, die ihm ihre Probleme anvertrauten. Ein Lehrer-Mensch, der sein Leben der Entwicklung der Menschheit gewidmet hatte, nun aber nicht mehr imstande war, dieses Leben und folglich sein eigenes Wachsen zu leben. Er hatte keinen freien Augenblick mehr. Selbst Jesus flüchtete regelmäßig vor der Masse, um auch für Wochen alleine zu leben.

Haidakhan Babaji

Haidakhan Babaji

Ich kann die Orientierungslosigkeit vieler Menschen, die an Sai Baba, an Premananda und an andere Meister gebunden waren, verstehen. Ihre Botschaft ist noch in uns lebendig. In dieser Phase der Trauer können wir dazu beitragen, ihre Mission am Leben zu erhalten. Heute mehr denn je brauchen die Werke wie Krankenhäuser, Waisenhäuser und Schulen, welche diese Meister erbaut haben, unsere konkrete Hilfe.

Besonders die Rolle der Erziehung war für Sai Baba und Premananda ein wichtiges Anliegen. Wie Sai Baba selbst gesagt hat: „Die wahre Erziehung erlaubt einem Kind nicht nur zu lernen, sich den Lebensunterhalt zu verdienen, sondern sie bereitet es darauf vor, sein eigenes Leben zu leben“.

Für ihn bedeutete Erziehung nicht, etwas zu lehren, sondern etwas ins Gedächtnis zu ruft. Die Grundlage jeder Religion ist die Liebe, und die Lehre ist ein Modell davon. Unsere Persönlichkeit oder unser Charakter sind die Frucht der Einheit zwischen Gedanken, Worten und Taten. Sai Baba fasst es zusammen, indem er von den drei „H“ spricht:

eines steht für Herz (Hearth auf Englisch)

eines steht für Kopf (Head)

eines steht für Hände (Hands)

Wenn zwischen diesen drei Teilen eine Harmonie besteht, wird man wirklich Mensch, ein göttlicher Mensch. Ich glaube, dass dies auch das Vermächtnis ist, das uns diese Meister hinterlassen. Es liegt an uns, es in unserem täglichen Leben in die Tat umzusetzen.

Das traditionelle Modell des Lehrens mit Andacht und Ritualen ist nunmehr überholt. Der Begriff vom Meister, der sein Leben „opfert“, ist in unserer heutigen Zeit nicht mehr notwendig. Die neuen Meister bringen die antike Bedeutung von „Opfer“ wieder, das heißt, ihr Leben und das der Menschheit „heilig machen“.(*) Auch die Bedeutung von Meister und Schüler verändert sich, denn viele von uns leisten auf subtile Weise einen evolutiven Beitrag für jene, die ihnen nahe sind. Wir verstehen immer besser, dass das gemeinsame Ziel für die Menschheit heute darin besteht, Meister und Schüler von uns selbst zu werden.

Sai Baba Speciality Hospital, Puttaparthi, A.P., Indien

Sai Baba Speciality Hospital, Puttaparthi, A.P., Indien

* (Im Italienischen bedeutet „Opfer“ „sacrificio“, und „heilig machen“ heißt „rendere sacro“)

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