Was können wir tun, um den anderen zu helfen?

3Wenn wir die Bedeutung des Wortes „Hilfe“ im Wörterbuch nachschlagen, finden wir als erste Aussage: „Die Vervollständigung einer Situation zu erleichtern; die Verwirklichung der Aktion eines anderen zu unterstützen“. Hilfe bedeutet somit, Brücke zu sein, um jemandem (oder sich selbst) zu helfen, von einer Situation in eine andere zu wechseln, die meistens verheißungsvoller ist. Es ist also das Sich-Zurückziehen, des eigenen „Ichs“, des eigenen Egos, um einer größeren Sache zu dienen. Um den anderen zu helfen und um im Dienste zu sein, müssen wir im Rahmen eines persönlichen inneren Wachsens über uns hinausgehen, um die Seele zutiefst zu berühren. Was kann man tun, um zu helfen, besser zu sein?

Nelson Mandela hat während seines Amtsantrittes als Präsident von Südafrika im Jahre 1994 diesen Text von Marianne Williamson zitiert:

Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: „Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?“ Wer bist du denn, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum, sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.“

In diesem Sinne bedeutet helfen, zu ermöglichen, dass unser Licht und das innere Licht der anderen sich immer mehr zeigt.

Helfen heißt also vor allem, sich selbst helfen. Beginnend bei der Erfahrung, die wir leben, lernen wir zu wachsen, zu reifen, uns zu bereichern und etwas mehr im Gleichgewicht zu sein. Dies erzeugt mehr Licht in uns und ein besseres Fliesen, was es uns erlaubt, einen Seins-Zustand, eine Blockade oder einen Aspekt von uns, den wir als „etwas weniger hell und harmonische“ bezeichnen könnten, zu überwinden.

Um in einen Zustand der Transzendenz zu kommen, müssen wir mit einem Teil von uns in Verbindung treten, der über unser begrenztes Bewusstsein hinausgeht, welches aus unseren Erfahrungen kommt, um eine größere, tiefere und objektivere Vision zu bekommen. Wie können wir mit diesem Teil in Verbindung treten, der die alltäglichen Emotionen weniger „berührt“, dieser Teil, der uns mag, dieser Teil, der „darüber hinaus sieht“? Verschiedene Traditionen bieten uns Methoden an, um ein bisschen Stille in uns zu schaffen, um die Emotionen zu mildern, die uns mehr in die eine als in die andere Richtung gehen lassen, um die aufgewühlten Gedanken zu beruhigen, die uns unsere Objektivität nehmen. Über die Techniken hinaus geht es vor allem darum, sich in Richtung eines Prozesses der Einfachheit, des Flusses und des Herzens zu begeben.

Wenn wir unserem Herzen erlauben, sich spontan zu äußern, ohne dem Mentalen mit Fragen wie „ist dies in Ordnung?“, „sollte ich?“, oder ähnlichem, oder der Traurigkeit, der Bitterkeit oder ähnlichem Raum zu geben, dann gewähren wir in unserem Leben mehr Freiheit, unserem inneren Teil mehr Raum, mehr Freude und mehr Glücksgefühl – aber auch mehr Menschlichkeit.

Es gibt Augenblicke, in denen wir nicht wissen was antworten, wenn uns jemand um Hilfe bittet oder in Schwierigkeiten ist. Zuhören, Aufmerksamkeit schenken und ein Lächeln geben einer Person ein bisschen mehr das Gefühl, wichtig zu sein, zu existieren, sich weniger allein und getrennt zu fühlen. Dies kann ein bisschen Wärme und Licht geben. Es geht also darum, zu versuchen, das Wesen zurückzuführen zu einem Gefühl von innerer und äußerer Einheit.

Mit welchen Schritten können wir helfen?

Helfen bedeutet, in uns eine erste Stufe von Gleichgewicht herzustellen, ein Gleichgewicht, das uns nicht in extremen Situationen, im Schmerz oder in Verblendung leben lässt.

Helfen ist also Synonym für die Suche nach einer Lebensqualität, die uns Gelassenheit, Genuss, Freude und ein Gefühl von Einheit gibt. Helfen bedeutet, auf unsere Bedürfnisse, unsere Fähigkeiten und unseren Körper zu hören, um unsere Grenzen und unsere Möglichkeiten, unsere Stärken und unsere Schwächen zu erkennen. Es geht darum, uns selbst Momente zu schenken, Zeiten des Rückzugs, um danach wieder besser vorangehen zu können.

Wenn wir in einen besseren Fluss kommen, indem wir den Strömungen des Lebens freieren Lauf lassen, werden wir wie ein Boot, das mit der Strömung des Flusses geht: wir bekommen Stabilität, Gleichgewicht, Kraft und Weisheit, und wir bewegen uns mit dem „großen Ganzen“ vorwärts.

Dadurch, dass wir in uns Klarheit schaffen, können wir mit unserem Beispiel Personen begleiten, die um Hilfe bitten, nicht aufgrund eines intellektuellen Prozesses, sondern dank einer Praxis, welche etwas Erlebtes ausdrückt, eine Erfahrung von Fall, von Versuchen aber auch von Vertrauen, von Gleichgewicht und Kraft, was mehr Verständnis und Mitgefühl vermittelt.

Helfen erlaubt und erzeugt ein „Getriebe“ von viel größerer Transformation. Das kleine Rad (was unsere persönliche Situationen wäre) wirkt sich auf das große Rad (das wir als kosmisch oder allumfassend definieren könnten) aus. Gleichzeitig wirkt sich das große Rad auf das kleine aus.

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